Beten hat keinen Effekt. Wirklich nicht.

Auf der Suche nach einem kürzlich gelesenen Artikel bin ich auf PubMed über ein Cochrane-Review gestolpert. Die Cochrane-Collaboration ist ein Zusammenschluss von Medizinern und Wissenschaftlern mit dem Ziel, systematische Reviews über die Effektivität medizinischer und psychotherapeutischer Verfahren zu erstellen (evidenzbasierte Medizin). Dies geschieht per Sammlung, Sichtung und Auswertung der zur Verfügung stehenden Studien zu einem bestimmten Verfahren.

Cochrane-Reviews existieren nicht nur zu etablierten Interventionen, nein, sie nehmen sich auch pseudoseriösen Verfahren wie Homöopathie, Akupunktur und andere Placebobehandlungen vor. Jetzt hat es das Beten erwischt.

Leider (oder glücklicherweise) existieren zu dieser „göttlichen Intervention“ nur zehn Studien im Zeitraum 1964 bis 2006. Die Autoren schlossen dabei alle Untersuchungen ein, die

any randomised trial comparing personal, focused, committed and organised intercessory prayer with those interceding holding some belief that they are praying to God or a god versus any other intervention

zum Thema hatten. Das Gebet konnte dabei von irgendwem gesprochen werden, es musste nur die Bitte um Gesundung der betreffenden Person einschließen.

Es soll nicht wirklich überraschen, dass die Autoren keinen Effekt fanden. Über die Studien zusammengenommen hatte Beten keine Auswirkung auf die Gesundung der betreffenden Person, weder positiv noch negativ. Nun sind Wissenschaftler generell recht vorsichtig, was die Deutung von Ergebnissen angeht (sie sollten es zumindest sein). So schreiben die Autoren in ihrer Zusammenfassung, es könne keine klare Aussage getroffen werden, ob Beten einen Effekt hätte, zu wenig Studien, möglicherweise sei zu kurz gebetet worden, etc.  Bereits in der Einleitung scheinen sie wackliges Terrain geahnt zu haben, so schreiben sie

The question of whether this may contribute towards proving or disproving the existence of God is a philosophical question lying outside the scope of this review of the effects of prayer.

Eine überflüssige Feststellung. Selbstverständlich geht es nicht um die Existenz eines Gotts, nur um die Untersuchung der Auswirkungen der Gebete an ihn. Kann ja schließlich sein, dass es ihn zwar gibt, die Wehwehchen der Menschen ihn aber nicht weiter interessieren, schließlich hat er es mit dem ganzen Universum zu tun (meine persönliche Meinung ist, abgesehen von meiner Überzeugung, dass es kein göttliches Wesen gibt, dass sich unsere Glaubensbrüder und -schwestern um einiges zu wichtig nehmen).

Wie auch immer. Etwas eindeutiger wird dieser Kommentar auf das Review. Nicht nur, dass die Autoren des Gebetsreviews laut den Kommentatoren die Latte bezüglich der wissenschaftlichen Standards bei der Bewertung und Diskussion ein paar der Studien gerissen hätten (und sie die Rücknahme des Reviews fordern), es wird in diesem Kommentar auch endlich auf den Punkt gebracht:

[die Reviewer] do not consider the far more plausible explanation that the observed lack of effect is because there is no effect.

Eben. Mein Fazit: Wer beten will oder will, dass für ihn gebetet wird, der kann das gerne tun. Heilung sollte man sich aber eher von den Ärzten versprechen.

Literatur:
Roberts L, Ahmed I, Hall S, Davison A. (2009) Intercessory prayer for the alleviation of ill health. Cochrane Database Syst Rev:CD000368.
Jørgensen, KJ, Hróbjartsson, A, Gøtzsche, PC. (2009) Divine intervention? A Cochrane review on intercessory prayer gone beyond science and reason. J Negat Results Biomed. 8: 7.

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One Response to Beten hat keinen Effekt. Wirklich nicht.

  1. Nina-online sagt:

    Notwendigkeit zu uberprufen:)

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